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Mai 2009



Die Revolution und ihr Double


26. Mai 2009, 11:12 Uhr

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Meine revolutionäre Laufbahn begann, als ich Karl Marx’ Büchlein «Der Achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte» las. Es stand im Regal meiner Eltern und war mir wegen seines hübschen roten Kunstledereinbands aufgefallen. Obwohl ich kaum etwas davon verstand  - Marx liefert darin unter anderem eine komplexe Analyse der Revolution von 1848 -, zog ich die nötigen Konsequenzen. An einer jener primitiven, fast subversiven Druckmaschinen, die es damals noch in jedem Bahnhof gab, besorgte ich mir Visitenkarten. Unter «Hobbys» füllte ich «Revolution» ein.

Als ich die Karten meinem Vater zeigte, bat er mich, sie schleunigst wieder verschwinden zu lassen. Revolution sei kein Hobby, jedenfalls nichts, was ein Schüler sich auf die Visitenkarte schreibt. Das Ganze muss ihm vorgekommen sein wie eine Farce. Immerhin war er damals Mitglied der Revolutionären Marxistischen Liga (RML).

Während ich das schreibe, in Bukarest und auf den Spuren einer anderen Revolution, überlege ich mir, wo ich dieses Jahr den 1. Mai feiern soll. Wenn nichts dazwischenkommt, werde ich ans Schwarze Meer fahren. Für Bukarest sind Demonstrationen angekündigt, und wie in allen europäischen Grossstädten wird der 1. Mai auch hier als eine Art Coupe Dänemark gereicht werden. Zuerst wird sich das Häufchen Aufrechter unter einer roten Fahne versammeln und brav das ikonografische Programm abspulen; es wird Spielburgen, die Schriften Bakunins und Würstchen geben – das Vanilleeis. Und nach Einbruch der Dunkelheit wird die Happy Hour der Anarchie schlagen, zwei, drei Supermärkte werden zu Bruch gehen, die Polizei wird die Sache mit ein paar Showeffekten abrunden – die Schokoladensauce. Von einigen Altstalinisten und den weniger ausgefeilten Deeskalationsstrategien der rumänischen Ordnungskräfte abgesehen, hat sich auch in Bukarest das globalisierte Programm durchgesetzt. Das alles wird gut ohne mich funktionieren. Wenn ich zurückkehre, werden die Scherben zur Seite geräumt sein.

Doch ich will hier nicht den Zyniker spielen – warum auch? Ich bin nicht immer ans Schwarze Meer gefahren am Kampftag der Arbeiterklasse. Nein, ich habe zwei Jahrzehnte lang feurige Würstchen und Nasi-Goreng-Pfannen gegessen in Zürich und Berlin, mit der Polizei Catch-me-if-you-can gespielt, Flyer verteilt, über die zapatistische Revolution diskutiert und kurzzeitig sogar zu einer Partei mit einem lustigen Kürzel gehört. Und vielleicht werde ich es ja dieses Jahr wieder tun.

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Dass der 1. Mai «nichts bringt», dass er Maskerade ist wie meine Visitenkarten damals, weiss jedes Kind – auch Marx wusste es, der seinen «Achtzehnten Brumaire» mit der Bemerkung eröffnet, dass jedes historische Ereignis sich wiederholt, «das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce». Man muss nicht zur RML gehören, um zu ahnen, dass der internationale Kapitalismus wegen ein paar Vermummter, die sich ein etwas exzentrisches Hobby ausgesucht haben, nicht zusammenbrechen wird. Nicht nur hat der Neoliberalismus das klassische revolutionäre Subjekt vollständig entsorgt. Auch als symbolische Währung ist der 1. Mai seit den späten achtziger Jahren seltsam konservativ geblieben, ein skurriler Film, der aus Nostalgiegründen jedes Jahr von neuem gezeigt wird. Der durchschnittliche Theaterzettel gebärdet sich heutzutage revolutionärer als die Flyer des Schwarzen Blocks, die mit ihren Paläs­tinensertüchern und Skimasken letztlich nur die Bilder aus «Züri brännt» nachstellen, einem Film übrigens, der sich seinerseits an den Revolutionsfilmen Sergej Eisensteins orientiert hat.

Kurzum: Einst ein zorniger Baal, der durchaus den gesellschaftlichen Umsturz im Sinn hatte, hat der 1. Mai in den letzten hundert Jahren einige Reproduktionsschleifen durchlaufen und ist zu einer Art Hamlet geworden – ein zorniger, aber völlig konzeptionsloser Idealist. An diesem Tag geht wirklich alles, und alles geht wirr durcheinander: die Reden und die Barrikaden, Nasi-Goreng-Pfannen und Molotowcocktails, die familientaugliche «Multitude», das Weltumarmungs-Nachmittagsprogramm und das abendliche Partisanentum mit seiner hermetischen Zweiweltenteilung. Ein postmodernes Spektakel – Battle-Reenactment im grossen Stil.

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Und doch hat der 1. Mai ein unwiderlegbares Argument für sich: Es gibt ihn noch. Er hat die nationalsozialistische und die staatskommunistische Vergewaltigung genauso überlebt wie das Ende des sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaats, dessen schnuckeliges Jubelchörchen er so lange zu sein schien. Während andere Feiertage einen offensichtlichen Mehrwert mit sich bringen und Gebirge an Kitsch vernichten, hält sich der Konsumtaumel des 1. Mai in Grenzen. Eigentlich sollte er längst an Geldnot oder Altersschwäche gestorben sein – oder doch immerhin an emotionaler Auszehrung, wie die Berliner Street Parade. Die utopischen Quellen dieses Tags müssen tief sein, sonst hätte ihn die Popkultur längst zu Boden gestreichelt.

Meine Schlussfolgerung wird niemanden überraschen, aber hier ist sie: Es gibt den 1. Mai noch, weil wir ihn brauchen. Es ist die – wenn auch nur für einen Tag – realisierte Darstellung, das täuschend echte Double des Ausnahmezustands. Auch wenn immer wieder versucht wird, aus dem Apfel des 1. Mai die Birne der Revolution zu machen, um sich dann zu beklagen, dass sie nicht «richtig» schmeckt: Der 1. Mai ist ein Tableau vivant der Revolution, nicht die Revolution selbst. Kein Kind ist enttäuscht, wenn das Jesuskind in der Krippe bloss aus Holz ist, und natürlich weiss es, dass hinter dem Samichlausbart der Onkel steckt und hinter der Skimaske der ängstliche Student. Aber das Imaginäre, das wusste schon Freud, ist realer als die Wirklichkeit – und nichts ergreift uns so, als wenn es mit ihr zur Deckung kommt, wenn auch nur für einen Tag.

Ja, der 1. Mai ist, so absurd, repetitiv und von pubertären Zwängen er besessen sein mag, ein Visitenkarten apparat der Revolution, der Jahr für Jahr über den grossen Städten ausgeschüttet wird, damit jeder seine Rolle spielt. Der 1. Mai ist eine Art Grundnahrungsmittel der sozialen Fantasie – und natürlich ist es gesättigt mit einigen eher deprimierenden Zusatzstoffen: der Klage über das liegen gelassene Tier der Arbeiterbewegung, den üblichen gut gemeinten Liebhabergesten in Richtung der Dritten Welt und so fort. Es bedarf vieler Versuche, eine revolutionäre Sprache zu erlernen, wie Marx im «Achtzehnten Brumaire» schreibt. Vor allem braucht es Übung, sie nicht ganz zu verlernen.

Aber lassen wir es hier gut sein. Ich werde also ans Schwarze Meer fahren, während die Revolution – nein: ihr Double – Bukarest und andere Städte verwüsten wird. Ich wünsche viel Vergnügen und bitte darum, die Scherben rechtzeitig wegzuräumen und mir eine Bratwurst übrig zu lassen.

Der Text “Die Revolution und ihr Double” erschien zuerst unter dem Titel “Lasst mir eine Bratwurst” in der WOZ – Die Wochenzeitung vom 1. Mai 2009. Die der Wiederveröffentlichung beigegebenen Fotos zeigen das Schwarze Meer, dieses melancholischste aller Gewässer, an dem Ovids “Tristia” entstanden.

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vistit IIPM



„Keiner weiss es besser als der andere“ (Wahre Sätze)


15. Mai 2009, 08:39 Uhr

(Bild entfernt)

„Keiner weiss es besser als der andere“, habe ich vor ein paar Tagen geschrieben (Augusto Boal zitierend), und heute steht es so in der Zeitung: „Keiner weiss es besser als der andere.“ Ein schöner Satz, ich glaube, dass er wahr ist. Nein: ich fühle es, oder noch besser: ich ahne es. Denn Sätze, die wahr sind, sind von ganz besonderer Schönheit. Es ist ein Glanz in ihnen, es ist die Schönheit der Vorahnung, ein Morgenrot des geistigen Empfindens. Diese Sätze tragen die Forderung in sich, dass sie real werden, ganz einfach und banal, so wie eine Baustelle „real“ wird. Ja, Wahrheit ist zukünftig, sie ist das Ergebnis einer praktischen Beweisführung. Einige nennen sie „Zeit“, andere „Geschichte“, die dritten „Erinnerung“, „Verständnis“ oder auch „Verarbeitung“. Deshalb „muss sich zeigen“, dass etwas stimmt. Man muss es „ausprobieren“, indem man es wiederholt, rekonstruiert, irgendwann später – einige sagen: „zu spät“. Und natürlich quält uns diese Ungewissheit, dieser Aufschub, der aber die einzige wirkliche Wahrheit ist.

Wenn ich also sage, dass der von mir wiederholte und heute in der Zeitung abgedruckte Satz von Augusto Boal „wahr“ ist, dann meine ich: Es wird sich schon zeigen, dass er es ist. Jemand wird es zeigen. Doch warum gleich nach den Sternen greifen? Es reicht mir schon, wenn jemand zeigen würde, was es zum Beispiel mit meinem Leben auf sich hat. Ich denke manchmal an diesen „einen“, den Boal „keiner“ nennt: Er wird es „wissen“, so wie ich es nicht wissen kann. Und mein Leben wird im Licht dieses Wissens auf ungelenke Weise konzeptionslos erscheinen, ein grosses Durcheinander, eine ständige Abschweifung, in die dieser „keiner“ eine Linie legen wird. „Was habe ich mit meinem Leben angestellt?“, fragt Martha Grellhorn in einem Brief. „Warum habe ich es nicht besser im Griff gehabt? Die ganze Welt war mein Garten, mich bewegte, was anderen widerfuhr, Massen, Fremden. Trotzdem, das erklärt noch nicht so recht, weshalb mein eigenes Leben so durcheinander und vergeblich und zufällig war.“ Und kurz vor diesen Sätzen erinnert sich Grellhorn (seltsamer Name) an ihre Mutter, die einmal zu ihr sagte: „Als Du jung warst, hat Dich Frankreich interessiert, und Du hast den vollkommensten verfügbaren Franzosen gefunden. Dann hat Dich das Schreiben interessiert, also hast Du den Deiner Meinung nach besten Schriftsteller gefunden. Im Krieg schliesslich hat Dich die Tapferkeit interessiert, und Du hast den gefunden oder Dich von ihm finden lassen, der als der Tapferste von allen galt.“

Das ist vielleicht die ganze Geschichte über die Wahrheit: Man lebt mit anderen Menschen zusammen, weil man annimmt, dass sie’s schon wissen, was es mit einem (mit seinen Interessen) auf sich hat. „Ich sammelte gern Könige“, schrieb Martha Grellhorn, und an „England“ schätzte sie, dass „die Männer dort schöner sind und zufrieden wirken mit sich, mit dem Mannsein“. Ja, man will sich finden lassen von solchen „Männern“ wie einen Diamanten, der von einem freundlichen, nachlässigen König an die Krone gesteckt wird (einige bevorzugen natürlich perverse Prinzen). Oder man lebt mit Ideen zusammen: mit der „Tapferkeit“, dem „Stil“, mit „Frankreich“ oder „England“. Und natürlich gibt es auch einfachere, schnellere Wege. Viele meiner Freunde arbeiten in Institutionen, und ich sehe ihnen das Glück des Gefundenseins auf zehn Meter an, ich höre es am Telefon, ihre Augen strahlen wie kleine Diamanten an imaginären Königskronen, wenn sie mir sagen, dass sie „Stress“ haben. Das Stadttheater oder das Museum oder der Verlag oder die Zeitung oder die Universität gibt ihnen Arbeit auf; diese Orte sagen ihnen, wer sie sind. Denn Institutionen sind nicht bloss gefrorener, also unbeweglicher und vergangener Sinn, sie sind auch Fütterungsanstalten für unseren Hunger nach Wahrheit. Das muss man einfach akzeptieren: Der Weg der Wahrheit zu sich selbst übersteigt die Kondition des Menschen. Es kann nicht jeder ein Kohlhaas sein, es muss eine normale, alltägliche Gerechtigkeit für uns geben, gerechte Orte, Aufenthaltsorte, feste Plätze, Institutionen. Marx sagt: „Die Untersuchung der Wahrheit muss selbst wahr sein.“ Ich glaube, Marx war zu anspruchsvoll. Die Untersuchung der Wahrheit – also wir, unser Leben – kann nur „so wahr wie möglich“ sein.

Aber warum schreibe ich das alles? Ich ging heute Zigaretten holen, und an einer Ampel wurde ich Zeuge (das heisst Statist) des bekannten Phänomens: Zehn Leute warteten, dass die Ampel grün wurde, obwohl weit und breit kein Auto zu sehen war. Es standen nicht einmal Kinder bei uns, denen man ein Beispiel hätte sein können. Wir warteten einfach, und wir warteten auf nichts. Ich fühlte in mir einen Zorn aufsteigen, eine Art pawlowscher Effekt meiner Schweizer Erziehung zum Deutschenhass, die man bei uns lustigerweise „Geschichtsunterricht“ nennt. Ich dachte: Genau so, wie man hier für so und so viele Minuten stehenbleibt, nur weil die Farbe der Ampel rot ist, genau so hat man in diesem Land so und so viele Leute nach Auschwitz geschickt, nur weil es auf irgendeinem Papier stand. Das ist die Wahrheit über den Mord an den Juden, dachte ich: Keine Autos weit und breit, kein Erziehungsauftrag, gar nichts, und doch tut ihr es – die Ampel weiss es eben „besser“. (Ich traute mich nicht, über die Strasse zu gehen. Und genauso wäre ich natürlich neben den abfahrenden Zügen gestanden.)

Die Zeit, die wir an dieser Strasse zusammen verbrachten, war leer. Es war keine Wahrheit darin, es war ein völlig abgeschlossener „Satz“ (abgesehen natürlich von der unheimlichen moralischen Zärtlichkeit, die einem die Folgsamkeit entrichtet, fast so, als würde sie uns um Verzeihung bitten für das, was wir in ihrem Namen tun). Gerade weil diese Zeitspanne im objektiven Sinn völlig gerecht war – für alle das Gleiche und das Gleiche ohne Grund oder Kriterium –, schloss sie das eigentliche Wesen der Wahrheit, die „ans Licht kommt“, aus sich aus. Aus dieser Situation konnte nichts entstehen, es zeigte sich nichts und würde nichts ans Licht kommen, so wie auch aus dem Mord an den Juden nichts entstehen konnte ausser einer Lücke in der Zukunft, die nie wieder jemand wird schliessen können. Aber noch etwas anderes empfand ich in diesem Moment, als wir an der Ampel standen: eine Unruhe, eine Wut. Dass man zu warten hatte, ohne dass dieses Warten irgendeinen Sinn ergab, machte die Leute um mich herum zornig. Ich spürte eine intensive Aggression in der Art, wie sie auf der Stelle traten, wie sie demonstrativ in beide Richtungen guckten, als könnten sie die Ampel so zur Vernunft bringen. Wir fühlten uns, wie Freud sagt, „unbehaglich“, wir alle hatten Lust, die Paradoxie der Situation aneinander auszulassen. Es lag eine Lynchstimmung in der Luft, die sich in meinem Inneren als automatischer Deutschenhass realisierte (als Faschismuskritik verkleidet: critique automatique). Man hätte ein Stauffenberg oder immerhin ein Willhelm Tell sein müssen, um in diesem Moment über die Strasse zu gehen.

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Nun gut, ich übertreibe. Aber es hat trotzdem keinen Sinn, darüber hinwegzusehen: Die Wahrheit hat es nicht besonders leicht mit uns. Wir grüssen sie dort, wo sie nicht ist, und deshalb sind wir „unzufrieden“, wie man so sagt. Wir wollen von ihr ergriffen, gebannt sein, wie Pawlows Hund vom Klingeln der Glocke. Gestern sah ich in einer debilen High-School-Komödie einen grossen Lachs, den ein Koch aus seinem Aquarium genommen hatte. Er schnappte nach Luft, die Kamera zoomte heran und zeigte seine hilflos saugenden Kiemen. Etwas hielt den Fisch fest, etwas Starkes, und er konnte nichts machen: das war die einzige Wahrheit im ganzen Film. Ähnlich ging es mir heute an der Ampel, ähnlich geht es mir eigentlich die ganze Zeit. Ich bin nicht bei mir (ausser ich schreibe, und auch dann nicht immer), ich stehe bloss um mich herum, fange meine herumschwirrenden Empfindungen auf, als würde jemand ständig an der Frequenz drehen. Und dann gibt es wieder Momente der Festigkeit, der Pläne, und ich fühle mich gut: das ist die Zärtlichkeit der Folgsamkeit. „Ich bin Stalinist“, sage ich ab und zu, und fühle mich dabei wie ein Volk, das nach Sibirien verschickt wird, um dort die Zukunft zu finden. Ja, manchmal will ich fest sein, in guten Händen, einem Ziel verpflichtet, die Zutat zu einem dummen kleinen Spektakel, in dem ich meine Zweifel aushauchen kann. Es fällt mir unglaublich schwer, das Wesen der Wahrheit zu akzeptieren, widerwillig gleite ich durch ihre ständig zurückweichenden Wasser, die keine Festigkeit haben. Wie ein losgelassener Flaschengeist irre ich durch mein Leben, und dann liege ich wieder bewegungslos lesend auf dem Sofa, einen ganzen Tag, „erstarrt in meiner Einsamkeit“, wie Martha Grellhorn sagt, aufgesogen vom Geschwafel der Bücher, das mich „nur leer und erschöpft zurücklässt oder lächerlich, je nachdem.“ Man ist genauso gebildet wie man nichts mit sich anzufangen weiss (vom jugendlichen Übermut mal abgesehen).

Aber Melancholie und Hoffnung sind die gleiche Bewegung, nur in umgekehrter Richtung. Und deshalb machen uns „wahre Sätze“ (die nicht selten sind, ganz im Gegenteil) zugleich traurig und nervös. Weil wir sie immer verpasst haben, weil wir es zu spät merken, weil wir nie ganz gleichzeitig zu ihnen leben können. Weil wir nie ganz und gar „gemeint“ sind. Weil es zwischen „lesen“ und „verstehen“ eine Lücke gibt. Und weil in dieser Lücke „keiner“ lebt, das heisst: jeder von uns.

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