Warning: Creating default object from empty value in /www/htdocs/w009437f/wp-content/plugins/wpseo/wpseo.php on line 12

Dezember 2011



Cord Riechelmann: “Vergleichen kann man dieses Stück mit gar nichts”


31. Dezember 2011, 14:40 Uhr

Völlig zufällig entdeckte ich gerade diese Kritik von Cord Riechelmann, die am 4. Dezember in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” erschien – eine wahre Sylvesterfreude:

” “Hate Radio” ist ein Schock. Das Stück spielt eine Sendung des ruandischen Radiosenders RTLM in den Monaten April, Mai und Juni 1994 nach, in denen in Ruanda an die eine Million Angehörige der Tutsi-Minderheit im Laufe eines geschäftsmäßig ausgeführten Genozids ermordet wurden. RTLM war dabei eine der lautesten Stimmen der Vorbereitung, Begleitung und unverhohlenen Aufforderung zum Massenmord. Bei der Premiere am Freitagabend im Berliner “Hebbel am Ufer” sieht man auf der Bühne die Moderatoren, zwei Männer und eine Frau, sowie einen lässig im Studio abhängenden Soldaten hinter Glas im Originalnachbau des Senderaums in Kigali. Besetzt sind die Rollen der Täter heute mit überlebenden Opfern der Schlachttage von Ruanda. Und die Schauspieler sind gerade in der aufgepeitschten Lässigkeit, in der sie mal in elegantem Kolonialfranzösisch mitteilen, dass Deutschland gerade bei der WM 1994 Belgien 3:2 geschlagen hat, sich einen Joint anzünden und zum Schluss Joe Dassins Schlager “Le dernier show” ankündigen, herausragend.

Vergleichen kann man dieses Stück mit gar nichts. Auch wenn man seit dem Vietnamkrieg um den Zusammenhang von Rock, Drogen, Mord und Massaker weiß, und Peter Weiss’ “Ermittlung” kennt, bietet das keinen Halt, aus dem man kulturell abgekühlt sich diesem Abend nähern könnte. Der Genozid ist noch nie so wirklich in das Allgemeine und Besondere der Radio- und Popkultur als “Normalfall” eingebettet worden. “Jungs, macht’s gut da draußen und schaut mal nach den Kakerlaken am Schlachthof, ihr wisst ja, was zu tun ist und seid euch sicher, die Welt weiß es auch”, sagen die Moderatoren. Die Arbeit müsse getan werden.

Und sie wurde und wird getan werden unter den Augen der Zeugen. Es gibt kein Verbrechen ohne Zeugen in den Zentren der Welt. Der Schauspieler Sebastien Foucault, der den einzigen weißen (belgischen) Moderator im Team von RTLM spielt, sagt es so: Es sei nicht schwer gewesen, sich auf die Rolle vorzubereiten, er habe nur die französischen und belgischen Zeitungen aus den Tagen des Massakers lesen müssen. So viel anders sei der Ton in ihnen auch nicht gewesen.”

  • Digg
  • del.icio.us
  • MisterWong
  • Technorati
  • email
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Reddit
  • StumbleUpon
  • Twitter
  • Yigg

Chronik | 1 Kommentar »



vistit IIPM



projekte

iipm channel