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Althussers Hände
Roman
Paris, 1980: Der weltberühmte marxistische Philosoph Louis Althusser erwürgt in seiner Dienstwohnung in der Ecole Normale Supérieure seine Frau. Althusser wird daraufhin interniert, die Umstände des Mords können auch nach Erscheinen seiner Autobiographie nie genau geklärt werden.
Ein Vierteljahrhundert später veröffentlicht der Polen-Franzose André Kolakowski, der Althusser auf seinen Lehrstuhl nachgefolgt ist, einen Essay mit dem Titel Althussers Hände – eine fotorealistische Rekonstruktion des Mords und eine Meditation über den Zusammenhang von Denken und Gewalt. Warum ist Kolakowski von dem Mord derart fasziniert? Und warum weiss er soviel darüber?
Die deutsche Journalistin Charlotte Kaplan soll den Pariser Professor, der mit seinem beunruhigend detaillierten Essay zu einem Shootingstar der intellektuellen Szene geworden ist, interviewen. Doch als sie in Paris eintrifft, ist Kolakowski mit unbestimmtem Ziel abgereist. Eine Suche quer durch Europa beginnt, die tief in Kolakowskis Vergangenheit und die politischen Hoffnungen und Verbrechen des letzten Jahrhunderts führt.
AlthussersHände.org ist eine virtuelle Datenbank, auf der Teile von „Althussers Hände“ abgerufen werden können. Der Romanbereich ist mit einem Passwort geschützt. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Autor.
Der dunkle Kontinent
Theaterstück
Simbabwe, Frühjahr 2005. In einer „Operation Müllabfuhr“ genannten Grossaktion säubert der Alleinherrscher Robert Mugabe sein Land. 700000 Menschen werden obdachlos, zweieinhalb Millionen sind vom Hungertod bedroht. Es kommt zu Massakern an Regimekritikern, Homosexuellen, weissen Farmern und anderen Minderheiten.
Vor dem Hintergrund dieser Vorkommnisse wird von vier europäischen Touristen erzählt, die die Tage der „Operation Müllabfuhr“ in einem Edelhotel am Rand der Hauptstadt erleben. Unter dem Einfluss der Ereignisse zerbricht nach und nach der anfangs entspannte europäische Mikrokosmos. Allerlei Vorurteile und Ängste machen sich breit, der opportunistische Kampf um kleine Vorteile beginnt. Als schliesslich die Stürmung des Hotels bevorsteht, sehen sich die Hotelgäste vor eine existenzielle Entscheidung gestellt…
Der dunkle Kontinent variiert in der Form einer finsteren Gesellschaftskomödie die zentrale politische Frage nach der individuellen Freiheit: Wie kann der Mensch seine Würde und seine Liebesfähigkeit bewahren vor einer als übermächtig empfundenen geschichtlichen Situation? Und was hindert ihn daran?
Text: Milo Rau
Regie: Simone Eisenring
Voraussichtlicher Uraufführungstermin: Winter 2008
Logik der Wiederholung
Studie
Zwei dialektisch aufeinander bezogene Strategien bestimmen die Kunst nach dem Scheitern der bürgerlichen Utopie des „neuen Menschen“ in der französischen Revolution: die der unbedingten, ansatzlosen Innovation und die der möglichst vorbildlichen Interpretation – der Konservierung und Wiederholung der Vergangenheit. Während dem „Neuen“ schon zahlreiche Studien gewidmet worden sind, existiert zu den Techniken der Wiederholung noch keine eingehende kulturwissenschaftliche Untersuchung.
Ausgehend von Marx’, Kierkegaards und Freuds Begriff der Wiederholung wird mit Logik der Wiederholung ein Querschnitt durch die künstlerischen und philosophischen Strategien der Wiederholung versucht – vom bürgerlichen Privat-Ideal des Sammlers und Restaurators über die seriellen Versuche der Moderne bis zu den Wiederholungs- und Zitatexperimenten der Postmoderne.
Besondere Beachtung wird dabei der Populärkultur geschenkt: den Tableaux Vivants des 19. Jahrhunderts, den Proletkunst-Festivals der 20er Jahre, die in der inszenierten Erstürmung des Petersburger Winterpalastes gipfeln, und den Praktiken der Wiederholung in der zeitgenössischen Konsumkultur.
Finanziert aus Mitteln des Forschungskredits der Universität Zürich
Voraussichtlicher Erscheinungstermin: 2009
The Last Hour of Elena and Nicolae Ceausescu
Dokufiction Theater/TV
Die Bilder der Aburteilung und Hinrichtung des Diktatorenehepaars Elena und Nicolae Ceausescu am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1989 gruben sich ins kollektive Unbewusste mehrerer Generationen westlicher Fernsehzuschauer. Erst in letzter Zeit haben die beteiligten Soldaten und Zivilpersonen ihr Schweigen gebrochen und machen damit eine umfassende Rekonstruktion der Ereignisse möglich.
The Last Hour of Elena and Nicolae Ceausescu erzählt das historische Geschehen zum ersten Mal vollständig in der Form einer fiktionalen Echtzeit-Dokumentation. Auf Grundlage von authentischen Video- und Tondokumenten sowie von Zeugenberichten wird die Verurteilung und Hinrichtung des Ehepaars Ceausescu mit rumänischen Darstellern in originalgetreu nachgebauten Kulissen inszeniert.
Neben der Theaterfassung wird auch eine Fernsehfassung hergestellt. Diese soll auf die Minute genau zwanzig Jahre nach dem Prozess, nämlich am 25. Dezember 2009 zwischen 14 und 15 Uhr ausgestrahlt werden. Mit diesem einfachen Trick wird nicht nur eines der klassischen Fernsehevents der jüngeren Geschichte re-inszeniert – es erhält erstmals eine konkrete, in ihrer offen gelegten Fiktionalität unheimliche Erzählung.
Text und Regie: Milo Rau und Marcel Bächtiger
Voraussichtlicher Uraufführungs-/Sendetermin: Winter 2009
Partner: IIPM Berlin, Laboratoires Susie Q. Zürich und KG Botschafter Berlin
Auf dieser Seite werden nur aktuelle und über längere Zeit laufende Projekte vorgestellt. Weitere Informationen finden Sie hier sowie auf den Sites des IIPM und der jeweiligen Kooperationspartner. Bildmaterial, detaillierte Angaben zu aktuellen und vergangenen Projekten, eine vollständige Publikationsliste sowie ein ausführlicher Pressespiegel der bisherigen Arbeiten können ausserdem direkt beim Autor angefordert werden.


